Duo Marie M.

Alles begann 2015 mit einem lockeren, interessierten Gespräch über die Schnittstellen von Musik und darstellender Kunst. Die Schauspielerin Franziska Schmitz und  die Cellistin Céline Papion unterhielten sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Instrumente: dem Schauspiel und dem Cellospiel. Aus diesem Impuls entstand Marie M.

Als Duo konzipieren, organisieren, erforschen und performen wir mit den Instrumenten Cello und Körper szenische Konzert-Formate für Jung und Alt. Unsere performativen Konzerte sollen Orte bespielen, an denen man sie nicht erwartet. Wo sie irritieren. Einen Moment des Innehaltens schaffen. Wir wollen voneinander lernen. In der Verbindung unserer „Sparten” liegen viele Möglichkeiten, die Perspektiven auf musikalische Theatererlebnisse auf den Kopf zu stellen. Die Sprache und die künstlerischen Kompetenzen der jeweils anderen sehen wir als einen großen Fundus für gemeinsames Forschen.

Für die Schauspielerin Franziska hat das Cello etwas erhabenes, das nur schwerlich banal oder beliebig sein kann. Auch empfindet sie Céline und Mr. Cello so sehr als Einheit das sie sich neben den beiden manchmal ganz nackt vorkommt. Die (Neue) Musik als etwas zu begreifen, das sich durch ihr (Schau)Spiel gestalten lässt, erlaubt ihr den Zutritt zu einer Welt vor der sie fragend, staunend und sehr neugierig steht.

Céline kommt aus der klassischen Musikausbildung, wo der Körper als Element der Interpretation zu selten thematisiert wird. Fokussiert und dennoch frei mit dem Körper auf der Bühne zu agieren hat sie an Franziska’s Bühnenpräsenz fasziniert und angezogen. Die Entdeckung der Cellistin ihres Instruments ‘Körper’ ist für sie herausfordernd und beeindruckend zugleich. Denn durch gemeinsame Improvisationen vermischen oder lösen sich die unterschiedlichen Rollenzuschreibungen immer wieder auf.

Die Arbeitsweise von Marie M. sieht vor, die ersten Schritte einer sich anbahnenden Produktion (eine intensive Recherche- und Konzeptionsphase) zu zweit zu gehen. Dann suchen wir nach passenden Kooperationspartner*innen und Kolleg*innen für die jeweilige Produktion. Wir wollen unsere Themen setzen und zugleich ein gleichberechtigtes Arbeiten sicherstellen, welches aber die Expertise der jeweiligen Funktion ernst nimmt.

Unsere Rechercheprozesse kreisen um die ästhetischen sowie inhaltlich großen Themen: Sprache, Musikalität, Klangerzeugung, Zugehörigkeit sowie Heimat und Identität. Abseits der großen, strukturgebenden Bühnen und im öffentlichen Raum.

Seit der Gründung von Marie M. haben unsere Projekte zu Kooperationen zwischen unterschiedlichen Institutionen und Künstler*innen geführt, wie etwa das Theater Junges Ensemble Stuttgart (JES), Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik, Theaterhaus G7 Mannheim, Nachtsicht e.V., Das Alte Volksbad Geschichtswerkstatt Mannheim, CommunityArtCenter Mannheim, Fluxus Contemporary Concept Mall, Eintanzhaus Mannheim, Julia Dina Heße (Regie), Joseph Michaels (Komposition), Sebastian Bauer (Regie), Oliver Prechtl (Klavier), Martin Wolter (Technik), Valentin Eisele (Bühnenbild), Jörg Hildenbrand (Gestaltung).

bios

Céline Papion (*1982 Orléans, FR) ist je nach Begegnungen und künstlerischen Engagements Cellistin, Interpretin zeitgenössischer und alter Musik, aber auch Performerin, Konzert-Designerin und künstlerische Leiterin. Ihre Arbeit und ihr Engagement für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts wurde 2019 mit dem Förderpreis der „Internationale Bodensee-Konferenz” in der Sparte Interpretation zeitgenössischer Musik und 2020 mit dem Stipendienprogramm des Musikfonds ausgezeichnet.

Céline ist leidenschaftlich an künstlerischen Abenteuern und Schleichwegen interessiert. Sie initiiert, konzipiert, spielt und leitet ihre eigenen Projekte in enger Zusammenarbeit mit KomponistInnen wie Toshio Hosokawa, Steffen Krebber, Huihui Cheng, Joseph Michaels, Oliver S. Frick. Darüber hinaus kooperiert sie mit den Bildenden KünstlerInnen Aldo van den Broek und Adeline Fonknechten, den Video-Künstlerinnen Deema Shahin und Hanae Utamura, dem Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert, den RegisseurInnen Julia Dina Heße, Sebastian Bauer und Anna Drescher. Sie ist Gründungsmitglied und Co-Leiterin des Duos Marie M., Drescher & Papion Productions und Initiatorin und Vorstand-Beisitzerin des Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik e.V..

Seit 2008 fokussiert sie ihre Arbeit im performativen Bereich auf Theaterbühnen wie Theater Junges Ensemble Stuttgart, Württembergische Landesbühne Esslingen, Theater Rampe Stuttgart, Eintanzhaus Mannheim. Sie ist zu Gast bei internationalen Festivals und Konzertreihen, u. a. der Südseite Nacht bei Musik der Jahrhunderte in Stuttgart, den „Musiktheaterformen” der Gare du Nord Basel, den Music Series at NUI Maynooth und UCC Cork (Irland) sowie der Música Hoje Bienale für Neue Musik in Curitiba (Brasilien). Sie wurde für eine Künstlerresidenz am Borneo Laboratory in Kuching, Malaysia (2017) und im Treasure Hill Artist Village in Taipeh, Taiwan (2020-21) ausgewählt.

Franziska Schmitz (*1987 Köln, DE) ist im siebten Berufsjahr und nun seit vier Spielzeiten als freischaffende Schauspielerin, Tänzerin, Sprecherin und Performerin unterwegs. Als freischaffende Künstlerin widmet sie sich dem Tanz- und dem Musiktheater und ist neugierig auf das Überlappen, das Verschmelzen der verschiedenen Künste.  

Sie wird angefragt von Startups, Theatern und Institutionen wie dem Theater Junges Ensemble Stuttgart in Kooperation mit backsteinhaus produktion, dem Citizen.Kane Kollektiv (Stuttgart), Kunstmuseum Stuttgart, dem Freien Werkstatt Theater Köln, Killer&Killer Kollektiv (Kön), dem Theaterhaus Mannheim, dem EinTanzHaus Mannheim, Videokiosk und dem SWR. Ihr Duo Marie M. mit der Cellistin Céline Papion konzipiert und realisiert performative Neue Musik Konzerte. In Kooperation mit dem Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik kommt es zu Zusammenarbeiten mit Künstler*innen wie z.B. Julia Dina Heße und Sebastian Bauer (Regie), Dirk Handreke (Musiker) und Joseph Michaels (Komponist). Mit der Schauspielerin Anna Möbus entwickelte sie das Konzept für ein Rechercheprojekt zum Thema Schwestern. Dieses Projekt erarbeitet sie nun in Kooperation mit dem WEHR51 (Köln), Andrea Bleikamp und Sophie Killer. Mit dem Theaterstück Revolt. She said. Revolt again. vom Killer&Killer Kollektiv ist sie für den Kölner Theaterpreis nominiert.

In den verschiedenen Konstellationen sind ihre Themen: gesellschaftliches Zusammenleben, strukturelle Diskriminerung, Identitätsentwicklung, familiäre Strukturen, Weiblichkeit und Feminismus immer ein Aufruf für Vielfalt, Diversität und Neugierde.